Mikro-ÖV Steiermark – Der Weg zum multimodalen Verkehr
Der Mikro-ÖV (Mikro-Öffentlicher Verkehr) gewinnt in der Steiermark zunehmend an Bedeutung und etabliert sich als zentrale Säule nachhaltiger Mobilität im nicht-innerstädtischen oder mit öffentlichen Verkehrslinien schlecht erschlossenen Raum. Gerade im Südosten des Bundeslandes, der durch seine charakteristischen kleinteiligen Siedlungsstrukturen, eine kontinuierlich alternde Bevölkerung und eine traditionell hohe Abhängigkeit vom privaten Pkw geprägt ist, entstehen täglich neue Herausforderungen für die Mobilitätsversorgung. Klassische Linienbusse mit starren Fahrplänen und festen Routen stoßen in diesen dünn besiedelten Gebieten schnell an ihre wirtschaftlichen und operativen Grenzen: zu geringe Auslastung bei gleichzeitig hohen Fixkosten, unflexible Fahrpläne, die den individuellen Bedürfnissen der Fahrgäste nicht gerecht werden, und überdurchschnittlich hohe Betriebskosten pro Fahrgast machen traditionelle ÖV-Konzepte oft unwirtschaftlich.
Mikro-ÖV-Systeme wie bedarfsgesteuerte Rufbusse, kommunale Gemeindeshuttles oder innovative Anrufsammeltaxis sollen genau diese strukturelle Lücke im öffentlichen Verkehrsnetz schließen und dabei eine kostengünstige, flexible Alternative zum motorisierten Individualverkehr bieten. Diese innovativen Mobilitätslösungen orientieren sich am tatsächlichen Bedarf der Nutzer und können dadurch deutlich effizienter betrieben werden als herkömmliche Linienverkehre. Während in einigen progressiven Regionen der Steiermark bereits erste vielversprechende Mikro-ÖV-Angebote erfolgreich implementiert wurden und positive Resonanz bei den Bürgern finden, ist der Digitalisierungsgrad der meisten bestehenden Systeme insgesamt noch schwach ausgeprägt und entspricht nicht den modernen Erwartungen der Nutzer an zeitgemäße Mobilitätsdienste.
Mikro-ÖV Buchungen erfolgen in vielen Gemeinden in der Steiermark noch immer umständlich per Telefon, wichtige Fahrgastinformationen sind nicht in Echtzeit abrufbar, und eine nahtlose Integration in das bestehende öffentliche Verkehrsnetz fehlt häufig völlig.
Aktuelle Mikro-ÖV Systeme in der Steiermark
In zahlreichen steirischen Gemeinden wie Weiz, Murau, Hartberg, Leibnitz und vielen kleineren Orten existieren bereits verschiedene Mikro-ÖV-Initiativen, die von engagierten Kommunalpolitiker:innen, Verkehrsunternehmen und Bürgerinitiativen ins Leben gerufen wurden. Diese Systeme haben sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Baustein der lokalen Mobilitätsversorgung entwickelt und tragen wesentlich zur Aufrechterhaltung der Grundversorgung in peripheren Gebieten bei. Die Vielfalt der implementierten Lösungsansätze spiegelt dabei die unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten und Bedürfnisse wider.
Gemeindebusse mit flexibler Bedienung
Diese Systeme nutzen feste Haltestellen als Orientierungspunkte, bieten aber deutlich flexiblere Fahrtzeiten und können bei Bedarf auch Zwischenstopps einlegen. Sie verbinden die Vorteile klassischer Linienbusse mit der Flexibilität bedarfsgesteuerter Verkehre und eignen sich besonders für Gemeinden mit einer gewissen Grundauslastung.
Rufbusse mit telefonischer Anmeldung
Diese Systeme fahren ausschließlich nach vorheriger Anmeldung und können dadurch sehr effizient betrieben werden. Fahrgäste müssen ihre Fahrt meist mindestens eine Stunde im Voraus buchen, dafür werden Routen optimal geplant und mehrere Fahrgäste kostengünstig zusammengefasst. Besonders erfolgreich sind diese Systeme in dünn besiedelten Gebieten, in denen klassische Linienverkehre nicht wirtschaftlich betrieben werden könnten.
Anrufsammeltaxis und Bürgertaxis
Diese, meist von lokalen Taxiunternehmen oder Vereinen betriebenen Systeme, bieten kostengünstige Fahrten innerhalb einer definierten Region an. Sie zeichnen sich durch besondere Flexibilität aus und können auch Haustür-zu-Haustür-Verbindungen anbieten, was insbesondere für mobilitätseingeschränkte Personen von großem Vorteil ist.
Beispiele aus der Steiermark: WASTI und SAM
Besonders hervorzuheben sind zwei Systeme, die sich bereits seit mehreren Jahren erfolgreich etabliert haben: WASTI im Raum Weiz und SAM in der Oststeiermark.
WASTI („Weizer Anruf-Sammel-Taxi“) existiert seit 2002 und bedient mehrere Gemeinden im Bezirk Weiz, darunter Naas, Thannhausen, Mortantsch oder Krottendorf-Gaisfeld. Fahrten können flexibel bis 20 Minuten vor Abfahrt telefonisch bestellt werden. Die Nutzung erfolgt ab fixen Haltepunkten, die das gesamte Bediengebiet abdecken. Mit Fahrzeiten von Montag bis Freitag zwischen 7:00 und 19:00 Uhr sowie samstags bis 13:00 Uhr bietet WASTI eine wichtige Mobilitätsgrundlage im Alltag. Mit einem sehr günstigen Tarif (2 € für Einzelfahrten, 3 € für Hin- und Retourfahrten) ist das Angebot besonders niederschwellig. Grenzen zeigen sich jedoch in der eingeschränkten Betriebszeit, fehlenden App-basierten Buchungsmöglichkeiten und einer bislang nur geringen digitalen Integration in den regionalen öffentlichen Verkehr.
SAM („Sanfte AlltagsMobilität“) deckt über 60 Gemeinden in der Oststeiermark ab und verfügt über mehr als 3.000 Sammelhaltepunkte. Fahrten können telefonisch, online oder über eine WebApp gebucht werden, müssen allerdings mindestens 60 Minuten im Voraus bestellt werden. Mit Betriebszeiten von täglich 6:00 bis 20:00 Uhr und moderaten Tarifen – etwa 4,50 € für Einzelfahrten bis 7 km, günstiger bei mehreren Mitfahrenden – stellt SAM eines der am weitesten entwickelten Mikro-ÖV-Systeme der Steiermark dar. Zusätzlich gibt es Angebote wie Rad- oder Tiermitnahme sowie eine Hausabholung für mobilitätseingeschränkte Personen. Dennoch bestehen auch hier Herausforderungen: So ist die Spontaneität durch die Vorbuchungsfrist eingeschränkt, und eine vollständige Ticketintegration mit Bahn- und Busangeboten des Verkehrsverbunds ist bislang nicht gegeben.
Beitrag zur Mobilitätsversorgung
Diese bestehenden Systeme leisten bereits heute einen wichtigen und unverzichtbaren Beitrag zur Mobilitätsversorgung in ländlichen Gebieten und haben sich als wertvolle Ergänzung zum klassischen öffentlichen Verkehr etabliert. Sie ermöglichen es vielen Menschen, auch ohne eigenes Auto am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, Arzttermine wahrzunehmen, Einkäufe zu erledigen oder Freizeitangebote zu nutzen.
Herausforderungen und Potenziale
Dennoch stoßen die meisten dieser Systeme beim Thema Digitalisierung und zeitgemäßer Nutzerfreundlichkeit noch an deutliche Grenzen, die ihre Weiterentwicklung und Akzeptanz hemmen. Viele Fahrgäste, insbesondere aus jüngeren Generationen, wünschen sich heute selbstverständlich einfache App-basierte Buchungsmöglichkeiten, umfassende Echtzeitinformationen über Fahrzeugpositionen und Wartezeiten sowie die nahtlose Möglichkeit, Mikro-ÖV-Fahrten direkt mit Bahn- oder Busverbindungen zu einem durchgängigen Reiseerlebnis zu kombinieren.
Während SAM bereits erste Schritte in diese Richtung geht, zeigen Angebote wie WASTI, dass noch erheblicher Entwicklungsbedarf besteht. Potenziale liegen in der Digitalisierung von Buchungsprozessen, der Integration in bestehende Verkehrsverbundtickets, erweiterten Betriebszeiten bis in die Abendstunden sowie einer stärkeren öffentlichen Sichtbarkeit. Auch eine Einbettung in Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsstrategien könnte die Bedeutung der Mikro-ÖV-Systeme in der Steiermark weiter erhöhen und langfristig sichern.
Mikro-ÖV Software für die Steiermark
Die bisherigen Mikro-ÖV-Systeme in der Steiermark – etwa WASTI oder SAM – sind wichtige Ergänzungen zum klassischen öffentlichen Verkehr, stoßen jedoch bei der Digitalisierung sichtbar an Grenzen. Häufig erfolgt die Buchung noch telefonisch, Fahrgäste müssen sich an fixe Haltepunkte halten, Echtzeit-Informationen zu Ankunftszeiten oder Fahrzeugpositionen fehlen, und eine durchgängige Integration mit Bus- und Bahnangeboten sowie Ticketstrukturen ist kaum vorhanden. Diese Defizite mindern die Nutzerfreundlichkeit und hemmen die Akzeptanz – insbesondere bei jüngeren, digital affinen Zielgruppen, die App-basierte Services, Live-Updates und nahtlose Reiseerlebnisse aus ihrem Alltag gewohnt sind.
Genau hier setzt maas.maker an. Die Plattform ist eine spezialisierte Softwarelösung für Mikro-ÖV- und MaaS-Angebote und stellt eine Reihe digitaler Werkzeuge bereit, mit denen bestehende Systeme in der Steiermark modernisiert und zukunftsfähig gemacht werden können. Fahrgäste profitieren von einer benutzerfreundlichen Booking-App (iOS/Android) sowie einer Web-Buchung, über die Fahrten spontan und unkompliziert reserviert werden können – ohne lange Voranmeldezeiten und ohne Abhängigkeit vom Telefon. Parallel dazu unterstützt eine Driver-App das Fahrpersonal mit allen relevanten Informationen wie Abholort, Ziel, Zeitfenster und Fahrgaststatus und erleichtert Navigation sowie Kommunikation.
Ein Kernbaustein ist die Dispositionsplattform, die eingehende Buchungen in Echtzeit verarbeitet, Fahrten bündelt und optimierte Routen erstellt. Dadurch werden Sammelfahrten ermöglicht, Leerfahrten reduziert und die Fahrzeugauslastung gesteigert – Effizienz und Wirtschaftlichkeit verbessern sich spürbar. Ergänzend erlaubt maas.maker den automatisierten Import von Haltepunkten aus dem Verkehrsverbund, sodass bestehende Infrastrukturen eingebunden und mit Mikro-ÖV-Angeboten intelligent verknüpft werden. Der Mikro-ÖV wird damit zum echten Zubringer, der Bus- und Bahnangebote sinnvoll ergänzt und ein durchgängiges Mobilitätserlebnis ermöglicht.
Auch in der Tarifgestaltung eröffnet maas.maker neue Spielräume: Unterschiedliche Modelle – etwa Zonen- oder Kilometerpreise, Rabatte oder die Übernahme bestehender Verbundtarife – lassen sich flexibel abbilden. Das schafft transparente Preise für Fahrgäste und steuerbare Rahmenbedingungen für Gemeinden. Gleichzeitig stärkt die Plattform Barrierefreiheit und Inklusion, indem neben digitalen Buchungsoptionen auch Call-Center-Schnittstellen eingebunden werden können. So bleiben die Angebote für Menschen ohne Smartphone oder mit geringer digitaler Erfahrung voll nutzbar.
Ein weiterer Vorteil liegt in der Datenbasis: maas.maker stellt Monitoring-Funktionen bereit, mit denen Fahrgastzahlen, Auslastung, Wartezeiten und Nachfragezeiten ausgewertet werden können. Auf dieser Grundlage lassen sich Angebote dynamisch anpassen – hochfrequentierte Zeiten verdichten, wenig genutzte Relationen überarbeiten – und mittels integrierter Feedback-Funktionen (z. B. Bewertungen) kontinuierlich verbessern.
Für steirische Gemeinden bedeutet der Einsatz von maas.maker eine klare Modernisierung und Skalierbarkeit: Projekte können schlank starten und Schritt für Schritt erweitert werden – etwa durch längere Betriebszeiten, zusätzliche Fahrzeugkapazitäten oder die Integration weiterer Regionen. So werden Mikro-ÖV-Angebote flexibler, effizienter und attraktiver, was die Nutzung erhöht und die Verknüpfung mit dem Gesamtverkehrssystem stärkt.
Insgesamt kann maas.maker damit einen entscheidenden Beitrag leisten, die Digitalisierung des Mikro-ÖV in der Steiermark voranzutreiben, bestehende Defizite zu überwinden und die Angebote langfristig und nachhaltig in das öffentliche Verkehrsangebot zu integrieren.
